"Geschein": Das erste Parfüm, das der Weinblüte gewidmet ist
Es ist die Geschichte einer Idee, die Winzer Werner Hauser bei einem nächtlichen Gang durch den Weingarten kam: Den unvergleichlichen Duft der Rebblüte - dem Geschein, der nur wenige nächtlichen Stunden jedes Jahr existiert, einzufangen. Jahre später realisierte er ihn zusammen mit den Parfümeuren Alexander Lauber (Wiener Blut) und Nathalie Feisthauer. Feisthauer, die bereits für zahlreiche große Marken olfaktorische Welten kreierte, wurde 2019 mit dem Moskauer FIFI Award als "Best Perfumeur of the Year" für das "Best Niche Perfume of the Year" ausgezeichnet. Mit Geschein konzipierte sie ein Parfüm, das sich als Nischenparfüm mit außergewöhnlicher Strahlkraft gerade seinen Weg bahnt.
"Ich habe versucht einerseits das prickelnde, grüne Gefühl einzufangen, und andererseits den zart-fruchtigen Geruch der von Tau benetzen Blüten im Mondlicht. Der Zauber des Duftes ist die Flüchtigkeit, die Ahnung, die darin steckt", so Nathalie Feisthauer.
Die Kopfnoten von Bergamotte, Muskateller Salbei, Grapefruit und Ozonic Note umspielen hier die Herznoten, die sich aus Oud, Cypriol, Safran, Rosen, Mate und Fleurs de Vigne bilden. Eingebettet wurde es auf den Basisnoten von Zedernholz, Moschus, Copahu Balm, Cashmere Wood sowie Patchouli und Somalia. Mit einer fruchtigen Erdigkeit, die einen Anflug von Wein wahrnehmen lässt, ist Geschein ein Unisex-Parfüm, das lange auf der Haut verweilt und sich in den unterschiedlichsten Nuancen entwickelt.
Nur wenige Menschen kennen den nächtlichen Duft der Weinblüte. Wie fängt man ihn ein, ohne eine Essenz verwenden zu können?
Nathalie Feisthauer: "In der Parfümerie sind viele Dinge nicht reproduzierbar, aber das hindert uns nicht daran, uns einer Atmosphäre zu nähern. Ich habe mich von den Weinblüten des Elsass und Deutschlands inspirieren lassen, die ihr eigenes Universum haben, sowohl durch ihren Geruch als auch durch ihre Form. Sie sind sehr ätherisch wie Litschi oder Grapefruit mit einer unvergleichlichen Mineralität. Das ist diese einzigartige Atmosphäre, die ich einfangen wollte."
Geschein beschreibt die Vergänglichkeit eines Moments. An welchen Moment haben Sie gedacht, als Sie den Duft kreierten?
Nathalie Feisthauer: "Für Geschein wollte ich Elemente dieser Reben nehmen und ihnen eine fantastische und onirische Seite hinzufügen."
Der Parfümeur Francis Kurkdjian hat einmal gesagt, dass die Parfümindustrie nicht sehr risikofreudig ist. Im Gegensatz dazu gibt es aber immer mehr Nischendüfte, die sich etabliert haben. Überholt der Konsument die Ideen der Produzenten?
Nathalie Feisthauer: "Ich denke, die Nischenparfümerie ist wie ein frischer Wind. Man kann es mit dem Wachstum und der Kreativität vergleichen, die wir in letzter Zeit in den Serien gesehen haben, verglichen mit dem, was vorher gemacht wurde. Außerdem möchten heutzutage immer mehr Menschen ein Universum entdecken, das anders ist und nicht durch Verbrauchertests definiert wird."
Wie sehen Sie denn den Markt für Nischenparfums in der Zukunft?
Nathalie Feisthauer: "Ich denke, dass mit der Enge auch die Suche nach dem Sinn zunimmt. Die Menschen wollen aus bestimmten Mustern aussteigen und fühlen sich damit wohler. Sie suchen nach Aufrichtigkeit, Authentizität, sie wollen einen Schöpferstandpunkt haben."
Wien - Paris: Wie kam es zu der Zusammenarbeit zwischen Ihnen und Nathalie Feisthauer?
Alexander Lauber: "Ich bin seit vielen Jahren ein Fan von Nathalies Kreationen, die für mich oft eine hypnotische Qualität haben. Besonders gefallen hat mir Guerilla 2, eine limitierte Edition, die sie vor vielen Jahren für Comme des Garçons gemacht hat. Ihre Duftsprache eignete sich besonders gut für dieses Projekt. Außerdem wusste ich, dass sie aus dem Elsass stammt und Weinblüte ein vertrautes Thema für sie ist."
Wien hat sich in den letzten Jahren zu einem Standort für unabhängige Beautymarken entwickelt - wie sieht die Parfümbranche hier aus?
Alexander Lauber: "Edle Düfte sind in ihrer Herstellung viel komplexer als zum Beispiel Shampoo, Seife oder Lotionen, Produkte, die traditionell mit den Möglichkeiten der Apotheke hergestellt werden können. Auch das historisch bisher erfolgreichste Parfüm aus Wien, Knize Ten, wurde damals - Anfang der 1920er Jahre - aus genau diesen Gründen nicht in Wien, sondern in Frankreich produziert. Knize Ten war übrigens die erste Herrenpflegeserie der Welt und war weit über Europa hinaus bekannt und beliebt. Wien kann also auf große Erfolge in diesem Bereich zurückblicken."
Geschein ist über den Online Shop von anno1555.com zu beziehen.