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Martin Ho: Der "Bad Boy" der Wiener Schickeria über Herausforderungen und Erfolg

Unternehmer und Gastro-Visionär Martin Ho im exklusiven Gespräch über die Verbindung von Kunst und Kulinarik, Zukunftspläne und sein Image als „Bad Boy“ der Wiener Schickeria.
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Gastronom, Kunsthändler und Gin-Produzent – Sie sind ein Mann mit vielen Professionen. Mit welchem Titel würden Sie das zusammenfassen? Vielleicht dem Begrif „Tausendsassa“?

Martin Ho: "Kunst und Kulinarik sind für mich untrennbar miteinander verbunden. Sie befruchten sich gegenseitig. Ziel ist es, Gesamterlebnisse zu kreieren. Die Lokal Konzepte, die Galerie, die Foodand-Beverage-Produkte und der Gin sind Teil eines integrierten Businessmodells, das auf Leidenschaft aufbaut „Unternehmerischer Tausendsassa mit Hingabe für das Gute und Schöne“, das könnte demnach hinkommen."

Dabei hat auch Ihr Tag nur 24 Stunden...

Martin Ho: "Erfolg kommt nicht von alleine. Als ich mit 19 mein erstes Lokal eröffnet habe, mussten fünf Stunden Schlaf reichen. Das hat sich bis heute kaum geändert. Es ist eine Frage des Zeitmanagements und eines starken Teams. Das zu finden, war sicherlich die größte Challenge."

Vor Kurzem hat das „Dots Establishment“ eröffnet, auch die Tagesbar „Newman“ ist neu. Welche kulinarischen Nischen würden Sie noch gerne füllen?

Marti Ho: "Ideen habe ich immer viele. Grundsätzlich bleibe ich meinen Wurzeln treu. Da gehört die asiatische Küche genauso wie die Wiener Küche dazu. Während die Karte der „Dots“-Lokale auf experimentelles Sushi sowie progressive Fusionsküche setzt, vereint das „Newman“ die österreichische Küche mit der italienischen Kunst der Negroni-Zubereitung. Ich denke, alles, was meinen Gaumen beflügelt, findet man vermutlich früher oder später in einer meiner Lokalitäten."

Dabei kann Sie eine Pandemie offenbar nicht stoppen?

Martin Ho: "Die Pandemie hat die Gastronomie vor Herausforderungen gestellt. Genau hier sind Kreativität und Outof-the-Box-Denken unabdinglich. Neue Konzepte, Umdenken und Neuorientierung – man muss agil und am Ball bleiben. Die Clubs haben wir während des Shutdowns notwendigen Restaurierungsarbeiten unterzogen. Gerade jetzt verlangen die Umstände auch nach digitalen Standards. Das fängt bei den Speisekarten an. Wir planen weiters einen Onlineshop – als logische Ergänzung zu den Betrieben."

 

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"Dots"-Group Geschäftsführer Martin Ho | Foto: leisure communications, Christian Jobst
Stillstand ist nicht meine Art. Unternehmerischer Mut und eine eigene Meinung machen einen aber lange noch nicht zum „Bad Boy“!

Auch Ihre Kunstgalerie konnte dank des Online-Handels vieles wieder wettmachen?

Martin Ho: "Durch die Digitalisierungsoffensive präsentiert die „Ho Gallery“ online und spricht damit ein größeres Publikum an. Die Förderung heimischer Künstler war mir immer schon ein Anliegen. Diese Leidenschaft möchte ich teilen und allen einen einfachen Zugang zur Kunst ermöglichen. Eine der vertretenen Künstlerinnen, Petra von Kazinyan, beschäftigt sich mit der Frage nach Identität in einer globalisierten und digitalen Welt – das regt zum Nachdenken an. Sie trifft mit ihren Werken den Puls der Zeit. Menschen dokumentieren in sozialen Medien minutiös jeden schönen Moment, anstatt ihn zu genießen. Ebenso entfaltet ein Kunstwerk seine Wirkung nur im Original. Digitale Inszenierung kann aber dazu dienen, die Freude auf das Live-Erlebnis zu steigern."

Was können Sie uns über das neu sanierte „Dots“ in der Mariahilferstraße hinsichtlich Ausrichtung verraten?

Martin Ho: "Das Lokal wird in seinen anfänglichen Zustand rückgebaut. Es ist eine Reminiszenz an das „Dots 1.0“, wo die Erfolgsgeschichte der „Dots Group“ ihren Ausgang genommen hat."


Gönnen Sie sich 2021 auch Ruhe?

Martin Ho: "Die Pandemie hat auch mich gezwungen, ein wenig zu entschleunigen. Ob und was dank überschüssiger Zeit an neuen Ideen entstanden ist, wird sich zeigen."

Es scheint, dass die Anzahl der negativen Medienberichte über Ihre Etablissements im Zusammenhang mit Verstößen gegen die Corona-Schutzmaßnahmen im Vergleich zu anderen Bars und Restaurants sehr hoch ist?

Martin Ho: "Viel der Berichterstattung ist leider politisch motiviert. Vor allem der Boulevard versucht mit viel Erfindungsgeist Geschichten zu inszenieren, die keine Substanz haben. Ich bin über die Jahre selbst zur Person des öffentlichen Interesses geworden. Das hat auch seine Nachteile. Über einen Verstoß vom Max Mustermann wird die Tagespresse nicht berichten."

Sehen Sie sich selbst als „Bad Boy“ der Wiener Gastro-Szene?

Martin Ho: "Nein. Ich habe klare und kreative Ansätze und nehme mir kein Blatt vor den Mund, Themen anzusprechen. In Wien neigen viele Kollegen dazu zu nörgeln, anstatt die Lösung zu suchen. Stillstand ist nicht meine Art. Unternehmerischer Mut und eine eigene Meinung machen einen aber lange noch nicht zum „Bad Boy“!"
 

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1o1 (One of One) | Fotos: Studio Mato

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