Opernball 2023: Eventplannerin Maryam Yeganehfar über ihre Visionen für den Ball der Bälle
Nach zwei Jahren Pandemiepause erfindet sich der Opernball ein bisschen neu. Dazu kommt ein großer Fokus auf den Charity-Aspekt, der Menschen in Not ("Österreich hilft Österreich") helfen wird. Damit der Ball auch optisch gelungen im Dreivierteltakt am 16. Februar schwingt, zieht die bekannte Wiener Eventplanerin und -designerin Maryam Yeganehfar die Fäden. L'Officiel Austria hat mit ihr gesprochen.
Wenn der 65. Opernball nach zwei Jahren Pause diesen Februar wieder stattfinden wird und es "Alles Walzer!" heißt, wird es ein ganz besonderes Fest werden, das sich in Zeiten der Krise Menschen nicht vergisst. Zum ersten Mal wird der Opernball unter "Österreich hilft Österreich" mit seiner Strahlkraft Spenden akquirieren - und dafür haben sich schon ganz besondere Namen angemeldet. Erst kürzlich wurde bekannt, dass der deutsch-österreichische Ausnahmekünstler Georg Baselitz das Opernballplakat geschaffen hat. Dieses Werk, "Wienmusik", wird im Anschluss an den Ball im Dorotheum zur Auktion angeboten. Der Rufpreis beträgt 150.000 Euro. Der Erlös wird, wie alle anderen Spenden "Österreich hilft Österreich" zugute kommen.
Rund um den Opernball gibt es aber auch noch zig andere Themen, die schneller als im Dreivierteltakt schwingen. Dazu gehört die Eventplannerin Maryam Yeganefahr, die mit ihrer Agentur "yamyam event production", bereits seit Jahren zu den besten Österreichs zählt. Zum ersten Mal wurde ihr die Aufgabe übertragen die Säle und Räumlichkeiten der Oper "neu zu denken" und nach der Pandemie-Pause den Opernball einen etwas anderen Look zu verpassen.
Den Details nach zu schließen, die sie im exklusiven Interview mit L'Officiel Austria verrät, wird ihr dies auch bestimmt gelingen, denn Yeganefahr ist bekannt für ihre "Raum-Metamorphosen".
Sind sind das erste Mal für die visuelle Konzeption des Opernballs zuständig. Wie sind Sie an die Sache herangetreten? Welches Gefühl möchten Sie Gästen geben, wenn sie die Oper betreten?
Maryam Yeganehfar: "Im Grunde bin ich an den Opernball genauso herangetreten, wie an jedes Konzept welches ich entwickle. Es gibt ein Thema, ein oder mehrere Räume und dann was mir dazu einfällt … unser Ansatz für diesen Opernball ist es generell den Raum Raum und den Opernball Opernball sein zu lassen."
Was ist denn das Thema für Opernball 2023?
Maryam Yeganehfar: "Es gibt kein übergreifendes Thema und somit kann der Ball und auch die Staatsoper in ihrer vollen Pracht erstrahlen. In manchen Räumen haben wir die zuvor gestalteten Raum-in-Raum-Konzepte komplett gestrichen und sie nur durch ein anderes Placement von Bühne und Tischen optimiert. In anderen Räumen mussten wir aufgrund der Optik sehr wohl eine Umgestaltung vornehmen."
Das klingt nach viel Arbeit! Der Opernball hat sich für dieses Jahr auch viel vorgenommen ...
Maryam Yeganehfar: "Tendenziell sind wir es langsam angegangen, da wir als Team auch erst zusammenwachsen müssen und ich die Oper und den Ball auch erst richtig verstehen und kennen muss. Mein genereller Ansatz und Anspruch bei Events ist es, dass sich Gäste abgeholt fühlen sollen. Ein Gast muss in erster Linie logistisch betreut werden und in zweiter Instanz geht es an das Design und die Optik. Wenn der Gast sich nicht wohlfühlt, weil Wege und Raum nicht geeignet sind, dann ist das schöne Design komplett egal. Somit muss man zuerst eine Basis, ein Fundament, schaffen um dann mit einer schönen Raumgestaltung und Dekoration zu punkten."
Der Opernball und seine Dekoration ist in Wien ja auch immer ein viel besprochenes Thema ...
Maryam Yeganehfar: "Die erste Frage, die mir gestellt wurde war welche Farbe die Blumen haben sollen. Ich habe vor meinem geistigen Auge jede mögliche Farb- und Blumenkombination durchgespielt. Und immer wieder kam das Bild des Stillstands, gefolgt von Hoffnung. Hierzu fiel mir die Farbe Grün ein. Grün steht für Natur, Hoffnung, Zukunft, Erdung, Wurzeln … Dann kam mir das Bild von wunderschönen alten Gemäuern und leerstehenden Villen, die langsam von der Natur eingenommen werden. Denn immer dort wo der Mensch sich zurückzieht, hat die Natur Chance sich in ihrer vollen, natürlichen Pracht zu zeigen. Aus jeder Ritze drängen sich Pflanzen und Blumen - genauso wird das in der Oper passieren."
Das klingt überaus interessant! Wie setzen Sie diese Ideen um?
Maryam Yeganehfar: "Die Deko wird also wie gesagt Grün werden, das wir mit einem Hauch von Weiß paaren. Dabei werden es keine schön gesteckten Gestecke sein! Es wird dynamisch, natürlich und doch harmonisch. Pflanzen ranken sich an den Musen auf der Feststiege entlang, zarte Blumen sprießen aus dem satten Grün, die Natur zeigt uns wo es langgeht."
"Pflanzen ranken sich an den Musen auf der Feststiege entlang, zarte Blumen sprießen aus dem satten Grün, die Natur zeigt uns wo es lang geht." - Maryam Yeganehfar
Es sind jetzt nur noch zwei Wochen zur großen Ballnacht: Was sind die letzten Steps, die es noch braucht?
Maryam Yeganehfar: "Wir sind im absoluten Finale angekommen. Raumkonzepte werden gerade umgesetzt. Am Freitag haben wir die letzten Schliffe besprochen, kommenden Freitag beleuchten wir die Bar im Schwindfoyer. Dann müssen natürlich Sicherheitsmaßnahmen abgesprochen werden, der Blumenschmuck wird derzeit in Größe und Umfang finalisiert, sowie Verträge an Musiker:innen versendet und der endgültige Regieplan erstellt."
Für den Opernball wird die Staatsoper jedes Mal in wenigen Tagen umgebaut, die Tanzfläche über die Sessel im Parkett gelegt ... Welche Challenges gibt es noch, die hinter den Kulissen bewerkstelligt werden müssen?
Maryam Yeganehfar: "Die Oper ist ein extrem komplexes Gebäude und System. Nicht nur der Festsaal wird komplett neu gestaltet, sondern jeder einzelne Raum, der groß genug ist, um Gäste und Musiker unterzubringen. Bühnen sowie Tische werden platziert, Beleuchtungekonzepte erstellt, Bars installiert, Notausgänge gelegt - nichts wird dem Zufall überlassen. Und dann darf man nicht vergessen, dass ab Freitag früh um 5 Uhr schon wieder der Abbau beginnt, da am Freitag ab 12 Uhr wieder Vorführungen stattfinden. Dann ist die Oper schon wieder zurück zu 'Business as usual'."
Die visuelle Essenz des Opernballs 2023 in 5 Worten ...
Maryam Yeganehfar: "Hoffnung, Zukunft, Wurzeln, Tradition, Natur."